Aufbruch!

Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland
Fotografiert von Hans Engels
Vorwort Dieter Bartetzko, Texte Axel Tilch

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Josef Kaiser und Heinz Aust

Kino International

Berlin, 1959-1963

Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Kino am 15. November 1963 mit einer Premierenfeier festlich eröffnet. Neben dem eigentlichen Kinosaal gab es zahlreiche weitere Räume, unter anderem ein „Repräsentationsraum“(heute „Honecker-Lounge“), wo sich die Staats- und Parteiführung vor und nach Premierenfeiern aufhielt, eine Bibliothek und ein Büro des Oktoberklubs. Das Kino International diente bis 1989 als Premierenkino der DDR. Zahlreiche DEFA-Filme hatten hier ihre Erstaufführung. Speziell für die Partei- und Staatsführung wurde die achte Reihe, in der man eine optimale Sicht hatte, mit einer besonderen Beinfreiheit versehen. Heute wird das International von zahlreichen Filmemachern aufgrund seines Ambientes wieder als Premierenkino genutzt und ist Spielstätte im Rahmen der Berlinale. Die sehr großen Filmplakate des Films der Woche an der Außenseite des Internationals werden noch per Hand von Filmplakate-Malern gemalt und sind ein echter Blickfang.

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Klaus Kirsten

Rotaprint-Fabrik
Berlin, 1956-1959

In den 50er Jahren begann der Druckmaschinenhersteller Rotaprint sein gesamtes Gelände in Berlin-Wedding umzubauen. Rotaprint engagierte den jungen Architekten Klaus Kirsten und der sprach eine ungewöhnliche Sprache: Kubismus pur und "Beton brut", übereinander gestapelte und ineinander geschobene Schachteln, der Beton roh geschalt, die Vorderseite jeder Schachtel verglast. Kein Kompromiss, keine Niedlichkeiten, keine ästhetische Routine. Vor allem die spektakulären Turmbauten mit ihrem heftigen Anblick strahlen eine ungeheure Kraft aus. Deren architektonische Qualität fiel auch der Künstlerin Daniela Brahm auf, als sie vor einigen Jahren den im Hinterhof stehenden Bau durch eine Lücke an der Straßenfront entdeckte. Sie und die Künstlergruppe "Soup" mieteten sich hier mit ihren Ateliers ein. "Wir sind ganz klar wegen der Architektur hier", so Brahm.

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Rudolf Schwarz

Kath. Heilig-Kreuz-Kirche
Bottrop, 1955-1957

Die Kirche Heilig Kreuz im Zentrum Bottrops zeigt im Grundriss eine Parabel. Der erste Eindruck von außen ist ein weißes Spinnennetz aus Rauten, beim Eintritt in den Kirchenraum wird der Besucher von den hohen Backsteinwänden in die Bucht des Altarraums geführt. Dreht er sich um, sieht er eine Sonnenspirale in einer 300qm großen Glaswand, und das Spinnennetz als schattiges Negativ. Schwarz beschreibt das so: "Die Parabel ist eine Form, die sich im Unendlichen nirgends schließt, sie strebt immer weiter auseinander. Oder sie fängt den gesamten Kosmos auf und führt ihn zum Altar zurück." Ähnlich, so meint er, verhalte sich die Spirale. Sie laufe von innen nach aussen ins Unendliche und – umgekehrt gesehen –von aussen nach innen wieder zurück.

Ein Zeichen der Sonne
"Es lag in der Idee von Professor Schwarz, an dieser Stelle ein Zeichen der Sonne erstrahlen zu lassen. Das Glas soll den Raum für die Messfeier schließen, aber nicht das Bestreben der Wände, sich der Welt hin zu öffnen, versperren. So suchte ich eine Ausdrucksform für das Symbol der Sonne (des überall hin strahlenden Lichtes Gottes), die nicht in sich selbst verharrt, sondern ebenso wie der Grundriss der Kirche das Unendliche der Schöpfungskraft Gottes (in dem Licht) und das Unendliche der Liebe Christi darstellen könnte. So kam ich auf die große Sonnenspirale, die vom Mittelpunkt des Fensters aus sich nach allen Seiten öffnet. Dass sie sich öffnet, scheint mir dabei besonders bedeutend, da ja die rotierende Bewegung auf die Aussendung des Lichtes hinweist. Es brennt in mir, dieses große Zeichen des Lichtes auch wirklich werden zu lassen. Georg Meistermann

Rudolf Schwarz gestaltete den Altar, ein einfacher, schwerer Opfertisch, den Ambo (die "Bühne") und den Taufstein, Ewald Mataré das Vortragekreuz, Bettlerfigur und den Hahn auf dem Turm.

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Sep Ruf

Akademie der bildenden Künste
Nürnberg, 1952-1954

1950 gewann Sep Ruf den Wettbewerb für den Bau der Kunstakademie, deren Lehrer er seit 1947 war. 1954 zog die Akademie mit allen Ateliers, Werkstätten, den zentralen Einrichtungen wie etwa Bibliothek, Mensa und Verwaltung in die Neubauten in der Bingstraße am Nürnberger Tiergarten ein. Die transparente Pavillonarchitektur wurde bereits 1988 – als eine der ersten Bauten der 50er-Jahre in Bayern – in ide Denkmalliste eingetragen. Rufs Neubau, in dem Natur- und Architekturraum miteinander verschmelzen, zählt neben der Berliner Philharmonie zu den wenigen Juwelen der frühen deutschen Nachkriegsarchitektur. Die Pavillons mit ihren Innenhöfen liegen wie hingestreut auf einer Waldwiese mit lichtem Kieferbestand und sind durch offene, sehr leicht wirkende Laubengänge miteinander verbunden. Der ständige Wechsel von Innenraum und Außenraum schafft einen endlos fließenden Raum, der den Besucher völlig gefangen nimmt.

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